Skifreizeit

Der erste Morgen, an dem München in weiße Winterpracht gehüllt ist, erweckt noch Erinnerungen an unbeschwerte Kindertage. Doch wenn Schneeschippen, Zugverspätungen und Rutschgefahr im täglichen Leben als konstante Gängelung Wegbegleiter sind, verwehen Winterfreuden schnell. Eine Ausnahme gibt es jedoch: den Wintersport. Der Winter hatte, wie seit einer Dekade nicht mehr geschehen, das gesamte Alpenland im eisernen Griff. Doch schlussendlich versammelte sich ein Konsortium aus Sportbegeisterten von nah und fern bei Annas Hus, um von dort tief versunkene Gipfel zu erstürmen und mit den Freuden des Winters die Seele zu befeuern. Wie alljährliche Tradition verlangt, war allerhand vertreten: Vom Novizen bis zum Profi brachte jeder voller Elan für ein Wochenende Stahl zu Piste statt Stift zu Papier. An der Grenze zwischen Österreich und Deutschland waren die Möglichkeiten schier endlos, von blau bis schwarz gab es genug Optionen, um keine Piste zweimal zu bestreiten. Dieses Jahr glücklicherweise ohne Verletzte lernte der eine mit ausgestreckten Armen als Flugzeug Kurvenschwünge, der andere carvte in rasendem Tempo akkurate Spuren in den Schnee.

Im Schneetreiben des Kleinwalsertals kam natürlich auch die allabendliche Tradition des Après-Ski nicht zu kurz, wo Eisstockschießen genauso eine genehme Abrundung des Tages sein kann, wie eine massive Runde Uno. Letztere jedoch ist nie mehr als eine Karte entfernt von totalem Chaos. In guter Gesellschaft bei einheimischem Bier könnte aber wohl an jedem gottverlassenen Ort noch Freude und Unterhaltung aufkommen. Trotz einem eingänglich als gewagt betrachteten Experiment mit hausgemachter Versorgung kontrastierte die Moral im weißen Paradies also hervorragend mit der allgegenwärtigen Münchner Winterdepression. Die Schneemassen im Nacken machten es am Sonntag schließlich notwendig, bereits zur Mittagszeit die Autos zu bergen und ihnen einen Pfad zu bahnen, nachdem auch die Skilifte zum Stillstand gekommen waren. Die wilde Flucht Richtung Heimat glückte. Die letzten Semesterwochen bestreiten sich doch wesentlich leichter nach einem Wochenende wie diesem.

Bis nächstes Jahr!