Visite bei der Tübinger Königsgesellschaft Roigel

Man sieht sich immer zweimal im Leben, die kulturell hinreichend bekannte Drohung, eignete sich noch immer als letzter Schlachtruf, bevor hinter fernen Stadtmauern die deutsche Studentenkultur bei einer anderen Verbindung in Zweisamkeit hochgelebt wird. So begab es sich, dass die Palladia im Sinne der Studenten vergangener Tage eine Reise antrat. Auch wenn Pferderücken und Wegelagerer heute nur noch Fabeleien der Weglektüre sind, so ist es doch ein einzigartiges Gefühl, die windenden Hügel Tübingens auf den letzten Metern zu beschreiten, wohl wissend, dass am Ende der langen Reise ein Wochenende steht, das zu gleichen Teilen eine formative Erfahrung und höchstes Vergnügen darstellt. Als geschätzte Gäste der Tübinger Königsgesellschaft Roigel konnten wir in Begleitung unserer Farbenbrüder die zahlreichen Höhen und Tiefen Tübingens erkunden und einige der wahrhaft schönen Verbindungshäuser in ganz Deutschland kennenlernen. Eine Stadt, in jede Richtung umgeben und durchzogen von Anhöhen und Flüssen, bietet an jeder Ecke ein Plätzchen zum Schwärmen und zum Trinken, selbst bei trübem Winterwetter. Ob Schloss oder Hölderlinturm, Tübingens Sehenswürdigkeiten sind so zahlreich wie dicht gestreut. Doch außer einem schwachen Schatten lernt man von einer korporierten Stadt nichts kennen, wenn man nicht auch dessen beflaggte Häuser von innen besichtigt. Die Studententradition, die die ehrenvolle Kultur des deutschen Couleurwesens wie keine andere zusammenwachsen lässt, das Bummeln, führt uns also im Laufe des Tages auf herrschaftliche Balkone und an gediegene Tische, an denen Tradition wahrhaft nie gestorben ist. Die traditionelle Nikolauskneipe, zu welcher Met gereicht wurde wie in alten Tagen, bewies eindrucksvoll, dass der geübte Studio selbst das Vortragen von Poesie an der Kneiptafel zu später Stunde zur Königsdisziplin machen kann. Mit heiterem Geschenkeaustausch und immervollen Bechern war die einzige Komplikation des Abends der stufendurchzogene Weg bis ins Bett. Kehrt schlussendlich die Palladia heim ins schöne München, nach einem wundervoll durchzechten Wochenende, so stellt sich zwar keine Reue an, wohl aber die Krankmeldung für Montag in Aussicht.

 

Vivat, crescat, floreat WV Palladia et Königsgesellschaft Roigel in aeternam!